Kiss the face of God(tt)
Bonus-Story!

Ein Jahr später ...

Gottfried

Ein Jahr! Vor einem Jahr bezog ich mit dem Monstrum von Koffer die Ferienwohnung gegenüber. Viele Reisen, mit und ohne Stefan haben mir klar gemacht, was ich will.
Ihn!
Er ist der eine! Das werde ich ihm heute Abend klar machen.
Zur Feier des einjährigen Jubiläums habe ich alle meine Freunde in die Semperoper eingeladen. Dort spiele ich seit Monaten immer mal wieder Musicals, singe den Papageno oder auch das Phantom. Zwischendurch waren wir mehrere Wochen in Paris und London, aber auch nochmals in Brüssel und Wien. Walli war unter der Obhut von Dr. Teufel und Dr. Herrscher. Wir mir scheint, haben beide so ungefähr ein oder zwei Kilo zugenommen. Wallis Backkünsten kann niemand widerstehen. Selbst Rico sah deutlich besser aus, nicht mehr so dürr und klapprig. Er genoss Oma Wallis Pflege mehr als alle anderen. Er saugte ihre Liebe, die sie mehr als genug zur Verfügung stellte, auf wie ein Schwamm.
Und wir wussten unsere Oma in guten Händen.
Aber heute jährt sich unser erster gemeinsamer Advent das erste Mal und ich würde es nutzen.

Alle hatten Platz in der ersten Reihe. Für die Loge waren es zu viele. Vor einem Jahr allein und nun Freunde, Familie, die Liebe und eine Oma. Das möchte ich heute feiern.
Der Cast des Musicals Tanz der Vampire weiß Bescheid über meine Pläne. Marco hilft mit und übernimmt nach meiner Überraschung in kompletter Maske meine Rolle. Er hat es verdient, und ich fahre danach mit allen nach Hause – dieses Jahr gesund und munter und wir essen Gänsebraten. Auf den bestehe ich nicht nur an Weihnachten.

Als ich letztes Jahr wieder gesund war und Stefan mir die Gans servierte – das war unglaublich. So gut wie in meiner Kindheit. Nein besser, denn mit mich liebenden Menschen am Tisch schmeckte es nach Wärme und Heimat.

Ich bin nun schon in der Maske und meine Freunde haben in der ersten Reihe Platz genommen und hoffen auf eine wunderbare Vorstellung des Musicals. Sie werden überrascht sein.

Applaus – ich singe meine Rolle, wie viele Abende zuvor.
Doch dann …

Marco gibt mir das Zeichen. Er steht bereit, um nach dem Song zu übernehmen. Nun kommt mein Part. Meine Überraschung für Stefan.

Mein Solo zu Seid bereit (Gott ist tot)* beginnt mit der typischen dunklen Musik.

Jahrelang war ich nur Ahnung in dir,
jetzt suchst du mich und hast Sehnsucht nach mir.
Nun freu dich,
uns beide trennt nur noch ein winziges Stück,
wenn ich dich rufe, hält dich nichts mehr zurück,
getrieben von Träumen und hungrig nach Glück.*

Sei bereit.
Sei bereit.

Gott ist tot, nach ihm wird nicht mehr gesucht.
Wir sind zum ewigen Leben verflucht.
Es zieht uns näher zur Sonne, doch wir fürchten das Licht.
Wir glauben nur Lügen, verachten Verzicht.
Was wir nicht hassen, das lieben wir nicht.

Sei bereit.

Was ich rette, geht zugrund,
was ich segne, muss verderben,
nur mein Gift macht dich gesund,
um zu leben, musst du sterben.
Schweb mit mir in den Abgrund der Nacht,
und verlier dich in mir.
Wir werden bis zum Ende jeder Ewigkeit gehen,
ich hüll dich ein in meinen Schatten!

Nun freu dich,
Sei bereit

Uns beide trennt nur noch ein winziges Stück,
wenn ich dich rufe, hält dich nichts mehr zurück,
getrieben von Träumen und hungrig nach Glück.

Während der Cast immer wieder Sei bereit singt, gehen einige meiner Kollegen singend von der Bühne und greifen nach Stefans Händen und zwingen ihn auf Vampirart zu mir auf die Bühne.
Bei dem Satz:
«Wir werden bis zum Ende jeder Ewigkeit gehen, ich hüll dich ein in meinen Schatten!», gehe ich auf ein Knie und halte ihm eine Ringschatulle hin, während die Vampire uns abschirmen und dann in Richtung Publikum freigeben.
Erneut singe ich:

Uns beide trennt nur noch ein winziges Stück,
wenn ich dich rufe, hält dich nichts mehr zurück,
getrieben von Träumen und hungrig nach Glück.

Ich sehe Stefan an und Marco singt mit dem Cast weiter, ohne zu sehen zu sein. Ich warte auf eine Antwort.
Stefan scheint geschockt.
Doch er rappelt sich schnell auf und hilft mir hoch. Er nimmt den Ring an und nickt bejahend. Applaus brandet auf und der Cast sowie Marco übernehmen die Vorstellung. Hinter der Bühne stecke ich Stefan den schlichten Platinring an und nie war ich glücklicher. Der Vampirkuss bringt uns beide zum Lachen. Die Zähne sind schon ein wenig speziell.

Stefan

Geschockt folge ich den Vampiren auf die Bühne. Was geht hier ab? Was hat er vor?
Ich folge dem Gesang nur so weit, als das «hungrig nach Glück» in meinem Kopf kreist. Ja, wenn er mich ruft, hält mich nichts mehr zurück. Er ist mein Leben. Seit ich in seine braunen Augen sah.
Also bleibt mir nur die eine Antwort ...
JA! Denn ich bin hungrig nach Glück ...


*Text aus Tanz der Vampire – Lied: Gott ist tot, Sei bereit – Jim Steinmann 1998


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